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Inschriften in München (Innenstadt)

Ungarische Tausendjahrfeier

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An der Kreuzung von Herzogspitalstraße und Damenstiftstraße, in der Nähe des Karlsplatzes (Stachus), befindet sich die folgende Inschrift, gleich rechts neben der Tür der St-Anna-Kirche (Damenstiftskirche).

Klicken Sie bei Bedarf auf das Foto, um es größer zu sehen.

Foto: Münchener Gedenktafel 1000 Jahre Freundschaft

Foto: Hans-Rudolf Hower 2003

Inschrift

Originaltext (auf Latein, Ungarisch bzw. Deutsch)

AD 2000
MAGYAR MILLENNIUM

SEHLIGE
GIZELLA
REGINA

STEFANUS

REX

1000 JAHRE
BAYERISCH-UNGARISCHE
FREUNDSCHAFT

Trotz des lateinischen Umtextes dachte ich bei dem Wort SEHLIGE oberhalb von GIZELLA gleich an „selige“ als Ausdruck der Seligsprechung einer Frau, aber dann war das H zuviel. Ich habe mir die Inschrift noch einmal vor Ort angeschaut, weil mir das auf dem Foto merkwürdig vorkam, aber auch vor Ort las ich das Gleiche. Die Buchstaben H und L sind im Übrigen als Ligatur geschrieben. Da weder Ausbesserungen noch Veränderungen der Raumausnutzung sichtbar sind, muss der Künstler von vornherein geplant haben, dieses Wort auf diese Art zu schreiben. Das bedeutet, dass er „selige“ mit „hl“ als geläufiger Abkürzung für „heilige“ verknüpfen wollte.

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Übersetzung

Im Jahre des Herrn 2000
Ungarisches Millennium

Selige/heilige
Königin Gisela

König Stefan

1000 Jahre
bayerisch-ungarische Freundschaft

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Geschichtlicher Hintergrund

Die erste Hälfte des 10. Jahrhunderts war die Epoche der großen und mörderischen Einfälle der Ungarn in Mittel- und Westeuropa. Noch im Jahr 955 fielen sie mit einerm Heer von rund 100.000 Mann in Bayern ein. Aber nach ihrer Niederlage in der Schlacht auf dem Lechfeld zogen sie sich endgültig in die Gegend des heutigen Ungarn und Transsylvanien zurück und wurden sesshaft. Großprinz Geysa regierte damals über die sieben ungarischen Stämme. Bedrängt von dem expansiven Oströmischen Reich auf der einen und den westlichen Siegermächten auf der anderen Seite, entschied er sich für die Orientierung nach Westen und die Einführung des Katholizismus bei den Ungarn. Das war keineswegs einfach, denn die heidnischen Ungarn wehrten sich dagegen... Auf jeden Fall ließ Geysa seinen Sohn Vajk christlich erziehen, ließ ihn (wahrscheinlich 995) auf den christlichen Namen Stephanus taufen und machte sich zur festeren Einbindung seines Staates in den Kreis der westlichen Mächte auf die Suche nach einer standesgemäßen Frau für seinen Sohn. Er fand sie in der Person Giselas (Gizella auf Ungarisch), der Tochter eines verstorbenen bayrischen Herzogs, die nach dem Willen ihrer Mutter Nonne werden sollte. Nach einigen eher der Legende angehörigen romantischen Begebenheiten wurde dieses 12-jährige Mädchen mit Stefan (István auf Ungarisch, 21 Jahre) noch im Jahr von dessen Taufe verheiratet. Sie folgte ihrem Gatten nach Ungarn, begleitet von ihrem kleinen Hof und beschützt von 300 bewaffneten Bayern...

Stefan I. war König von Ungarn vom Jahr 1000 (daher die Tausendjahrfeier 2000) bis zu seinem Tod 1038 und wird als derjenige betrachtet, der Ungarn befriedet und christianisiert hat, weshalb er bereits 1087 heilig gesprochen wurde. Die Ungarn nennen ihn Szent István (Hl. Stefan). Siehe auch die ihn betreffenden Budapester Inschriften.

Gisela, die ihren einzigen Sohn Imre und ihren Mann überlebte, nutzte ihre Stellung dazu, Kranke zu pflegen und viel Geld den Armen zu geben. Stefan I. und sein Sohn Imre wurde jedoch beide von der katholischen Kirche heilig gesprochen, während Gisela nie über die Seligsprechung hinaus kam. Aber der Volksglaube machte sie bereits vor Jahrhunderten zur Heiligen. Die Gebete der ungarischen Gläubigen richten sich oft genau so sehr an sie wie an die offiziell von der katholischen Kirche anerkannten Heiligen.

Nach dem Tod ihres Gatten konnte Gisela ihr wohltätiges Werk nicht sehr lange fortsetzen. Nach einem Jahr beschlagnahmte Peter Orseolo, Stefans Neffe und Nachfolger, das Vermögen der Königin und hielt sie wie eine Gefangene ohne Besuchserlaubnis. Nach drei langen Jahren der Erniedrigung gelang es Gisela, nach Bayern zurückzukehren. Sie trat in das Nonnenkloster Niedernburg in Passau ein, dessen Äbtissin sie dann von 1045 bis zu ihrem Tod war. In Bayern verlor sich bald die Erinnerung an Gisela - außer im Kloster Niedernburg, wo sie 1095 bestattet wurde.

Siehe auch Letzte Bleibe der ungarischen Königin Gisela.

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Kommentar

Der Künstler, der diese Münchner Inschrift gestaltet hat, wollte in einer einzigen Gedenktafel Giselas offiziellen Status (selige) und den Volksglauben (heilige) zum Ausdruck bringen. Da das Deutsche sich für diesen Kunstgriff am besten eignete, wählte er diese Sprache trotz des lateinischen Umtextes.

Was Stefan angeht, so bleibt die Frage, ob wirklich er - und nicht sein Vater - die größten Verdienste um die Befriedung und Christianisierung der Ungarn hat. Ohne die mühevollen Vorbereitungen, die nur durch Geysas Mut und Weitsicht möglich waren, hätte Vajk vielleicht nie die historische Rolle spielen können, die aus ihm den Vater und das Symbol der ungarischen Nation gemacht hat. Ganz zu schweigen von Gisela, die ihn anscheinend tatkräftig unterstützt hat, bis er unter der Last der Trauer um seinen einzigen Sohn zusammenbrach und starb.

Ein pikantes Detail der Geschichte: Als Stefan heilig gesprochen werden sollte, machte sich ein gewisses Unbehagen breit, denn nach einem Attentatsversuch gegen ihn hatte er dem angeblichen Anstifter, einem seiner Neffen, die Augen ausstoßen und die Hände abhacken lassen. Aber die Chronisten hatten schnell eine Lösung zur Hand: Ihrer Meinung nach war Stefan nur eine Marionette in den Händen seiner grausamen Gemahlin gewesen. Kein Wunder, dass sie nie heilig gesprochen wurde...

Wenn unsere Inschrift von 1000 Jahren bayrisch-ungarischer Freundschaft redet, dann übertreibt sie ein wenig. Nach dem Tod des Kaisers Heinrichs II., Giselas älteren Bruders, im Jahre 1024 war die durch Giselas und Stefans Heirat gestiftete Zeit guter Beziehungen bereits vorbei. Gisela beanspruchte den vakanten Titel des Herzogs von Bayern für ihren Sohn Imre, aber der neue Kaiser Konrad II., dem die Unabhängigkeit Ungarns ein Dorn im Auge war, gab den Titel seinem eigenen Sohn und zog gegen Ungarn in den Krieg. Aber seine Armee wurde von Stefans Heer geschlagen…

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Literatur

AutorIn / Titel

Anmerkungen

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Internet-Seiten

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Gisela von Bayern

In dt. Wikipedia.

Kurzer Lexikon-Artikel über das Leben von Gisela von Bayern.

Stephan I. (Ungarn)

In dt. Wikipedia.

Kürzerer Lexikon-Artikel über Leben und Werk von Stephan I. (Hl. Stephan).

Ki vakíttatta meg Vazult? (Wer hat Vazul die Augen ausstechen lassen?)

Von Zoltán Terplán (auf Ungarisch: Terplán Zoltán).

War es Peter, Stephan oder vielleicht Gisela? (auf Ungarisch).

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Anreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln

Zur Anreise nach München siehe Inschriften in München.

Zur St-Anna-Kirche (Damenstiftskirche) kommt man zu Fuß sehr schnell von den nächstliegenden U-Bahn- oder S-Bahn-Stationen aus, d.h. Marienplatz (über Kaufinger Straße, Neuhauser Straße und Eisenmannstraße), Karlsplatz/Stachus (über Neuhauser Straße und Eisenmannstraße) oder Sendlinger Tor (über Sonnenstraße und Herzogspitalstraße).

Angaben zur Anreise entsprechen unseren persönlichen Kenntnissen oder sogar Erfahrungen, aber wir können keinerlei Verantwortung für ihre Richtigkeit übernehmen. Wenn Sie diese Seite lesen, können sich in der Wirklichkeit Veränderungen ergeben haben.

Hans-Rudolf Hower 2004

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Häufige Fragen - Webmaster

Letzte Aktualisierung: 04.04.16